Die Existenz von Kohlenstoff in Form winziger kleiner Röhren (Carbon Nano Tubes, CNT) wurde erst Anfang der 90er-Jahre entdeckt. Bald stand fest, dass es sich um eine neue Materialklasse handelt: Es wurden ein- und mehrwandige CNT mit Dicken zwischen 0,4 und etwa 100 Nanometer nachgewiesen. Wegen ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften sind sie seither weltweit Gegenstand intensiver Forschung: So ist ein mehrwandiges CNT im Vergleich zu Stahl um den Faktor 5 steifer, bei einer um den Faktor 5,5 geringeren Dichte. Bemerkenswert auch die elektrischen Eigenschaften: Die Strombelastbarkeit kann etwa um einen Faktor 1.000 höher sein als bei vergleichbaren Kupferdrähten. Je nach molekularer Struktur gibt es neben metallischen auch halbleitende CNT. Die größte Herausforderung für einen kommerziellen Einsatz ist die Übertragung dieser Eigenschaften auf neue Werkstoffe, die sich idealerweise in existierende Produktfertigungsprozesse einfügen lassen. Beispiele für solche Produkte sind hochfeste, gefüllte Kunststoffe, Verdrahtungen, elektronische Bauelemente oder hochempfindliche Gassensoren. Auch Forscher von Siemens arbeiten an solchen Zukunftsprodukten. So benötigen sie für Projekte in der Sensorik CNT-Strukturen, die als Absorberschichten für gasanalytische Anwendungen eingesetzt werden sollen. Die ausgezeichnete Expertise des Berkeley Sensor and Actuator Center (BSAC) der Universität von Kalifornien in der Synthese und Analytik von CNT bildete eine hervorragende Grundlage für eine längerfristige Kooperation: So forschen Doktoranden auf dem kalifornischen Campus im Auftrag von Siemens an unterschiedlichen CNT-Strukturen, die sie den Kollegen von Siemens für weitere Untersuchungen zur Verfügung stellen. Davon profitiert auch das BSAC, denn die Studenten und Doktoranden sammeln so Erfahrung mit Industrieforschung in einem internationalen Projektumfeld.